Wie wirkt das Lernmedium "Theater" auf mich?

Das Einsetzen von Schauspieltechniken und dem Lernmedium Theater in Verbindung mit Komponenten aus der Lernpsychologie werden als Methode genutzt, um die jeweiligen Lernziele zu erreichen. Durch das Ausprobieren in einem sanktionsfrei, ästhetischen Raum können Erfahrungen, die die Basis des Lernens sind, gemacht werden.


Aufgrund der verschiedenen Lernebenen eignet sich Theater besonders gut, um Kognitionen, Emotionen, Einstellungen und Motive anzusprechen und sie einem bewussten Lernprozess zuzuführen. Eine gute Chance Einstellungen zu verändern kann durch Theater funktionieren, da sowohl mit verbalen (Ratio, der Logik nahe steht) als auch über non-verbalen (die emotionalen Anteile von Überzeugungen) Mittelen gearbeitet wird. Ein Veränderungsprozess ist dennoch möglich, auch wenn es um zentrale Überzeugungen handelt, da die Ich-Beteiligung beim Theaterspielen sehr hoch ist. Denn der emotionale Wert zu etwas oder zu jemanden ist subjektiv und kulturspezifisch. Dadurch wird jede sachliche Information in unterschiedlichem Maß an subjektiven Emotionen begleitet. Somit besteht in jedem Nachdenken eine emotionale Valenz (Wertigkeit). Je stärke die Ich-Beteiligung ist, fällt es dem Denkenden schwerer ein rein sachliches Urteil abzugeben. Es ist auch schwer emotional gefärbte Überzeugungen (Einstellung, Denken, Fühlen, Vorurteilen und ideologische Annahmen v. jemanden) rational mit Tatsachenargumenten entgegenzutreten und je weniger die Argumente auf Tatsachen beruhen, desto mehr kommt die Glaubenskomponente in Spiel, die nichts mehr mit rationalem Denken zu tun hat.


Durch theatrale Methoden wird das parabewusste Lernen, eine nichtbeabsichtigte Erfahrungsbildung, angesprochen. Im Unterschied zum intentionalen Lernen werden viele Informationen, vor allem non-verbales Verhalten registriert, jedoch nicht genau analysiert. Das Ergebnis ist ein intuitives Wissen das auch schwer sprachlich ausgedrückt werden kann. Das nichtsprachliche Lernen ist für die zwischenmenschlichen Beziehungen von großer Bedeutung.


Unser Gehirn wird in drei Regionen, die sich gegenseitig bedingen eingeteilt:

- Wahrnehmung - Emotion - Gedanken

Diese unterteilen sich nochmals in:

- Verbalisiertes Bewusstsein (Ein Problem in Worte fassen und erklären können.) - Potentiell verbalisierte Vorbewusste - Nicht verbalisierte Unbewusste In dem Vorbewussten und Unbewussten schlummern unsere Emotionen, Wünsche und Bedürfnisse, die wir in unserer Gesellschaft kontrollieren und unterdrücken. Das Probehandeln im ästhetischem Raum spricht den psychisch-emotionalen Zugang zu unseren Problemen an, deren Inhalte nur schwer verbalisierbar sind.


Im Lernmedium Theater wird zwischen unbewusstem Verhalten und bewusstem Handeln unterschieden. Verhalten ist starr, angeboren und wird mit einer kaum mitdenkenden Routine ausgeführt. Obwohl Handeln bewusst geschieht wird es von Emotionen und Bedürfnissen beeinfluss, die wiederum unsere Motivation prägen. Wird nun ein Motiv, durch eine bestimmte gespielte Situation angeregt, steuert die Motivation unser Handeln.

Triebe und Instinkte sind im Unterbewusstsein zu Hause. Sie beeinflussen unser Verhalten, das sich einer willentlichen Steuerung entzieht. Sie wirken sich aber auch auf unsere Emotionen und Kognitionen, die mit verschiedenen Graden an unserem Bewusstsein besetzt sind, und somit indirekt auch auf unser Handeln aus. Somit haben wir die Möglichkeit willentlich in unseren Triebprozess eingreifen.


Durch das partizipative Theater können Prozesse ausgelöst werden, die unser Handeln und Verhalten in Situationen darstellen. Das Probehandeln ist ein wichtiges Element für Veränderungsprozesse. Personen können sich im geschützten Rahmen ausprobieren, analysieren und beobachten. Die Beobachtung der dargestellten Situation spielt eine genau so wichtige Rolle wie das Probehandeln. Die ästhetische Erfahrung wird in der Gruppe reflektiert und daraus können sich Möglichkeiten für Veränderung geben. Hier kann noch durch einen Zoom-Effekt das Vorbewusste bewusst gemacht werden und routinemäßiges Verhalten, für kurze Zeit, in bewusstes Handeln umwandeln.


Durch das erstellen eines gemeinsamen Bühnenbildes wird der ästhetische Raum verlassen und die Prozesse in die Realität geholt. Aufgrund dessen ist davon auszugehen das sich die Lernerfahrung auch auf unser Denken, Fühlen, Verhalten und Handeln im Alltag auswirkt.


Somit kann Persönlichkeitsentwicklung im Theater stattfinden! Persönlichkeit ist eine komplexe Organisation von Kognitionen, Emotionen, Verhalten, die der Person im Leben Richtung und Zusammenhang gibt. Die innere Einstellung ist mit der Persönlichkeit verknüpft.


Dazu empfehle ich ein Coaching das die kognitiven Prozesse zur Veränderung anspricht. Ich bin der festen Überzeugung das sich diese beiden Bereiche sich ergänzen und befruchten.



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